Film Daten

Titel:
Django, Kill! ...If You Live, Shoot!
Originaltitel:
Se Sei Vivo Spara
Land & Jahr:
Italien 1967
Laufzeit ca.: ?
116 Min.
Regie:
Giulio Questi
Darsteller:
Tomas Milian
Ray Lovelock
Piero Lulli
Milo Quesada
Roberto Camardiel
Miguel Serrano
Ángel Silva
Sancho Gracia
Marilú Tolo
Mirella Pamphili
Francisco Sanz
Patrizia Valturri
Alternativtitel:
• Oro hondo
• Oro maldito
• Töte, Django
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Blue Underground
Label:
Blue Underground
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • "Django, Tell!" - Interviews mit Guilio Questi, Tomas Milian und Ray Lovelock.
  • Fotogallerie
  • Biographien
  • Trailer
  • Booklet
  • Hidden Feature: Weiterer Ausschnitt aus den Interviews
  • Hidden Feature: Trailer zu "Django", "Run Man Run", "Mannaja - A Man Called Blade"

Django, Kill! ...If You Live, Shoot!

Review

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Eine Bande Mexikaner hilft einigen Yankees beim Überfall auf einen Goldtransport. Die Amerikaner unter der Führung von Oaks (Piero Lulli), denken aber nicht daran, ihre Beute mit ihren Partnern zu teilen und schießen alle über den Haufen. Aber erst nachdem die ihr Massengrab selber schaufeln durften! Der Anführer der Mexikaner (Tomas Milian) überlebt. Er wird von zwei Indianern gefunden und gesund gepflegt. Sie folgen zusammen den Amerikanern, damit er sich an ihnen rächen kann.

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - ScreenshotDjango, Kill! ...If You Live, Shoot! - Screenshot

Mittlerweile sind die Amis in einer heruntergekommenen Stadt angelangt, die alles andere als gemütlich aussieht. Hier wollen sie Pferde kaufen. Aber anstatt sie mit der gewünschten Ware zu bestücken, jagt die gesamte Stadt die Banditen und erhängt sie. Das Gold krallen sich der Barkeeper Tembler und der Geschäftsmann Hagerman (Francisco Sanz). Nur Oaks kann sich als letzter in einem Lagerhaus verschanzen. Da taucht der Mexikaner auf und erledigt ihn mit den goldenen Patronen, die die Indianer für ihn vorher gegossen haben.

Der Mexikaner bleibt in der Stadt, wo sich die Mächtigen um das Gold der Banditen streiten. Der Landbesitzer Sorrow (Roberto Camardiel) entführt schließlich Evan (Ray Lovelock), Temblers Sohn um das Gold von ihm zu erpressen. Da Hagerman seinen Teil nicht rausrücken will und Tembler sein Gold auch am liebsten selber behalten will, behauptet er es nicht zu besitzen. Der Mexikaner sorgt dafür, dass Evan seine Gefangenschaft zumindestens nicht gefesselt verbringen muss. Aber der begeht Selbstmord aus Enttäuschung über seinen Vater und des sexuellen Missbrauchs, den Sorrows Männer ihm angetan haben. Seine Leiche bringt der Mexikaner zurück in die Stadt, wo sich die Lage erheblich zuspitzt...

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - ScreenshotDjango, Kill! ...If You Live, Shoot! - Screenshot

Es gibt ja unzählige Italo-Western, aber Regisseur Giulio Questi hat mit Django, Kill! sicherlich einen der schwerst verdaulichen Beiträge dieses Genres geschaffen. Zwar driftet der Film nicht in surreale Tiefen eines El Topo ab, aber einige recht rätselhafte Bilder und Symboliken kann man ihm nicht absprechen. Die Auferstehung des Mexikaners, der von Oaks für tot gehalten wird, lehnt sich an die biblische Überlieferung der Rückkehr Christis. Er scheint sich wie ein Geist in einer Welt der Degenration zu bewegen. Um ihn herum bricht das Chaos aus und die Menschen machen sich gegenseitig fertig, während er alles wortkarg beobachtet und sich in dieser Welt auch sehr unwohl fühlt. Er versucht, sich durch intensives Händewaschen den Schmutz seiner Taten und der der Stadt von sich zu entfernen, was ihm aber nicht gelingt. Auch später kommen weitere Anspielungen auf Jesus Christus zu Tage, als der Mexikaner zum Beispiel an ein Kreuz gefesselt und gefoltert wird.

Die Stadt, von den Indianern "The Unhappy Place" genannt, ist ein Ort menschlicher Untiefen. Kinder und Frauen werden gequält, die Banditen gandenlos gejagt, obwohl die sich noch recht harmlos verhalten haben und die Goldgier siegt über familiäre Banden. Der Geschäftsmann Hagerman hält seine eigene Frau Elizabeth (Patrizia Valutrri) gefangen, weil die sich mal in einen anderen Mann verliebt hatte. Er versucht sie langsam in den Wahnsinn zu treiben. Durch sie bekommt er aber am Schluß wenigstens einen goldenen Abgang. Die Männer Sorrows kleiden sich wie edle Rodeo-Reiter, schrecken aber vor Morden nicht zurück und missbrauchen Evan zu ihrem eigenen Vergnügen. Sie tragen alle die Farbe Schwarz, was in Italien für die Faschisten im 2. Weltkrieg stand, und erscheinen auch mehr dem eigenen Geschlecht zugetan, da sich ohnehin keine einzige Frau unter Sorrows Gefolge befindet. Nur Evan erscheint wie ein Unschuldsengel. Aber auch er ist nicht ohne Makel. Er hegt sexuelle Gelüste auf Lorri (Marilù Tolo), der Geliebten seines Vaters, kann aber nicht an sie heran und zerstört aus Wut ihre wertvollen Kleider.

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - ScreenshotDjango, Kill! ...If You Live, Shoot! - Screenshot

Django, Kill! ist aber nicht nur recht außergewöhnlich in der Darstellung menschlicher Abgründe, sondern stellenweise auch dementsprechend mit harten Szenen ausgestattet. Die Jagd auf die Banditen ähnelt einer Hetzjagd auf Tiere, ein Indianer wird skalpiert und der Mexikaner bestückt ein Pferd mit Dynamit, dessen Überreste dann auf dem Schlachtfeld zu bewundern ist. Regisseur Questi verarbeitete in diesem Film angeblich persönliche Erfahrungen aus den Partisanenkriegen Italiens. Stellenweise schimmert auch ein seltsamer bzw. unglaubliche fieser schwarzer Humor durch. Oaks, der letzte der Banditen, überlebt schwer verletzt sein Duell mit dem Mexikaner. Sorrow möchte ihn am Leben behalten, worauf ihm jemand die Kugel aus dem Körper entfernen soll. Als derjenige feststellt, dass es sich um goldene Patronen handelt, stürzen sich die beistehenden Personen auf den Leichnam um puhlen ihm mit blossen Fingern die Patronen aus dem Leib, worauf Oaks natürlich endgültig abnippelt.

Dieser Western wird sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen, denn durch seinen eigenartigen Charakter ist er nicht so einfach konsumierbar. Neben dem surrealen Touch fühlte ich mich auch stellenweise ein wenig an das sogenannte "Panic Movement" mexikanischer Filme a lá Viva La Muerte erinnert, die sich ebensowenig an einem strikten linearen Verlauf hielten. Der Name Django ist hier auch nur zur besseren Vermarktung im Titel genannt. Zumindestens wird der Name im Film nie erwähnt (zumindestens, wenn ich mich an den Untertiteln orientiere) und Tomas Milians Charakter wird stets als "Fremder" angeredet. Die Übersetzung des italienischen Titels bedeutet auch nur soviel wie "Wenn Du lebst, dann schieß!"

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - ScreenshotDjango, Kill! ...If You Live, Shoot! - Screenshot

Giulio Questi trat nicht oft als Regisseur in Erscheinung. Zuerst drehte er viele Dokumentationen und arbeitete jahrelang als Regie-Assistent, unter anderem auch für Frederico Fillini. Er drehte im gleichen Jahr von Django, Kill! noch La morte ha fatto l'uovo (Death has laid an egg / Die Falle). Der war eigentlich zuerst von ihm geplant gewesen, bis ein Produzent ihm Geld für einen Film bewlligte, aber nur unter der Bedingung, dass es sich um einen Western handelt. Zwar war Questi nicht wirklich an diesem Genre interessiert, willigte aber ein. Neben der 1972er Produktion Arcana arbeitete er erst 1990 wieder für das italienische Fernsehen als Regisseur. Daneben betätigte er sich aber auch meistens als Drehbuchautor für seine Filme. Bei Django, Kill! stand ihm der Kameramann Franco Delli Colli zur Seite, der später auch für Massimo Dallamano (La Polizia chiede aiuto) und Pupi Avati (Zeder) die Kamera schwang und es früher schon für Luchino Visconti und Pier Paolo Pasolini getan hat. In diesem Film nutzt er den ihm zur Verfügung stehenden Platz sehr gut aus und macht viel Gebrauch von den Möglichkeiten, die ihm das Breitbildformat bietet.

Der 1937 in Kuba geborene Tomas Milian tauchte, genau wie der original Django Franco Nero, in weiteren Italo-Western auf, darunter El Precio de un hombre (Ohne Dollar keinen Sarg), Corri, uomo, corri (Run, Man, Run! / Lauf um Dein Leben) oder Vamos a matar, compañeros (Zwei Companeros). Bekannt wurde er aber durch eine Reihe von Polizeifilmen und ist heutzutage immer noch aktiv. Er schaffte es sogar bis nach Hollywood mit kleineren Rollen in JFK und Traffic. Zuerst wollte er die Rolle gar nicht annehmen, da ihm Questi für einen Western als zu interlektuell erschien. Ray Lovelock liefert in Django, Kill! sein Debut ab und wird den meisten sicherlich als Antiquitätenhändler George bekannt sein, der sich in Non si deve profanare il sonno dei morti (Invasion der Zombies) gegen allerlei Untote zu wehren hat. Daneben war er außerdem auch in dem Giallo Macchie Solari (Autopsy) zu sehen und in Polizeithrillern wie Roma Violenta (Gewalt rast durch die Stadt).

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - ScreenshotDjango, Kill! ...If You Live, Shoot! - Screenshot

Piero Lulli tauchte zu Beginn seiner Karriere häufig in italienischen Sandalen- und Historienfilmen auf, arbeitete auch mit Großmeistern wie Mario Bava (Operazione Paura (Die toten Augen des Dr. Dracula)) zusammen und war ein oft gesehener Charaktertyp in Italo-Western. Milo Quesada war drei Jahre vorher in I tre volti della paura (Die drei Gesichter der Furcht) zu sehen und tauchte neben den unzähligen Western auch in den Franco-Filmen El caso de las dos bellezas (Two Undercover Angels / Rote Lippen) und Il Trono di fuoco (Der Hexentöter von Blackmoor) auf. Francisco Sanz, der wie die meisten anderen Schauspieler auch, recht häufig für einen Western vor der Kamera stand, kann ebenfalls auf einige anderen Genrebeiträge verweisen. Da La noche del terror ciego (Die Nach der reitenden Leichen) oder auch der oben schon erwähnte Non si deve profanare il sonno dei morti (Invasion der Zombies).

Die US-DVD von Blue Underground ist genau wie die DVD von Django von feinster Qualität, wenn man von kleinen altersbegingten Schäden mal absieht. Da der Film in seiner ungekürzten Form nie komplett in Amerika synchronisiert wurde, liegen manche Szenen nur in der italienischen Sprachfassung vor. Allerdings kann man sich den Film auch netterweise komplett im Originalton mit Untertiteln anschauen. Bei den Untertiteln habe ich aber ein paar kleine Lücken festgestellt, die allerdings nur bei unerheblichen Dialogen auftreten. Außerdem scheinen mir die Untertitel auch nicht ganz akkurat zu sein. Denn aus Hagerman, den Namen versteht man in manchen Dialogen deutlich, wird Oldeman. Die IMDB gibt den Charakter von Roberto Camardiel als Mr. Zorro aus, in den Untertiteln heißt es Mr. Sorrow. Hier weiß ich leider nicht, was richtig ist. Das Bild liegt im anamorphen 2.35:1 Breitbildformat vor. Die Qualität ist nicht ganz so überragend wie bei Django, aber doch ziemlich gut. Kompressionsartefakte sind nicht vorhanden und die Restauration des Materials bis auf einige Szenen recht gut gelungen. Der Ton liegt in beiden Sprachen in Mono vor.

Auch bei dieser DVD beginnt der Bonusbereich mit einer eigens produzierten Featurette namens "Django, Tell!", die Interviewausschnitte mit Giulio Questi, Tomas Milian und Ray Lovelock bietet und gut 21 Minuten lang ist. Alle Interviewpartner sind bestens aufgelegt und haben viel über die anderen Mitwirkenden und den Film selber zu erzählen.

Django, Kill! ...If You Live, Shoot! - ScreenshotDjango, Kill! ...If You Live, Shoot! - Screenshot

Der Trailer des Films erinnert in seiner Art mehr an einen Vorspann für eine Kinderzeichentrickserie und spiegelt in keinster Weise die Atmosphäre des Films wieder. Die Gallerie bietet auch hier eine bunte Mischung aus Postern, Aushangfotos und Bildern aus dem Film. Biographien gibt es über Guilio Questi und Tomas Milian. Als Hidden Feature gibt es nicht nur die Trailer zu Django, Run, Man, Run und Mannaja, sondern auch einen weiteren Ausschnitt aus den Interviews. Hier berichten Tomas Milian und Ray Lovelock von ihren gemeinsamen Erlebnissen in einer Rockband.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 01.03.2003
Letzte Textänderung: 03.08.2006

Leser-Kommentare

02.04.2004, 14:01:34 Nils Brandt ( Email schreiben )

Dieser Film ist für einen aufgeschlossenen Betrachter eine echte Offenbarung! Es gibt eigentlich keinen echten Spannungsbogen und der Charakter von Tomas Milian ?schlingert? nach seiner Auferstehung nur noch durch die Welt. Und doch hat mich noch kein Film so bewegt und geschockt. Ich bin immer wieder erstaunt, was sich die intellektuellen Regisseure Italiens zu dieser Zeit getraut haben. Hier wird einem der gesellschaftliche Spiegel vorgehalten, dass man schon mal schlucken muss. Wer also (wie ich) die Schnauze voll hat vom dumben Hollywood-Ausstoß, muss sich dieses Meisterwerk ansehen.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann