Film Daten

Titel:
Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key
Originaltitel:
Land & Jahr:
Italien 1972
Laufzeit ca.: ?
96 Min.
Regie:
Sergio Martino
Darsteller:
Edwige Fenech
Anita Strindberg
Luigi Pistilli
Ivan Rassimov
Franco Nebbia
Riccardo Salvino
Angela La Vorgna
Enrica Bonaccorti
Daniela Giordano
Ermelinda De Felice
Marco Mariani
Nerina Montagnani
Carla Mancini
Bruno Boschetti
Dalila di Lazzaro
Alternativtitel:
• Excite Me
• Eye of the Black Cat
• Gently Before She Dies
• Your Vice Is a Closed Room and Only I Have the Key
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - NoShame Films
Label:
NoShame Films
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 96:16
Sprachen/Ton:
Italienisch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Featurette "Unveiling the Vice"
  • Bildergalerie
  • Trailer: The Strange Vice of Mrs. Wardh / The Case of the Scorpion's Tail / The Big Alligator River / Gambling City
  • Booklet mit Liner Notes und Bio-/Filmographien

Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key

Review

Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Irene Rouvigny (Anita Strindberg) hat unter den neurotischen Eskapaden ihres erfolglosen Schriftsteller-Ehemannes Oliviero (Luigi Pistilli) zu leiden, der sie immerzu erniedrigt oder schlägt. Eines Nachts wird die Leiche einer ehemaligen Studentin ihres Mannes ermordet aufgefunden. Obwohl sie nicht weiß, wo er sich zur Tatzeit befand, gibt sie ihm ein Alibi. Allerdings erwachen in ihr Zweifel, die sich noch verstärken, als ihr Hausmädchen in ihrer eigenen Villa ermordet wird. Und dann taucht auch noch unangemeldet Olivieros hübsche Nichte Floriana (Edwige Fenech) auf, die mit ihren Reizen beide um den Finger zu wickeln versteht ...

Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - ScreenshotYour Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - Screenshot

Der dritte von Sergio Martinos frühen Gialli bietet mit Edwige Fenech, Anita Strindberg und Luigi Pistelli sowie einem Grauhaarperücke-tragenden Ivan Rassimov eine Riege immer wieder gern gesehener Darsteller und eine Handlung, die ganz grob Edgar Allan Poes "Schwarze Katze" zum Vorbild nimmt und dies mit der Dekadenz eines heruntergekommenen High Society Ehepaares verknüpft. Im Gegensatz zu den anderen Gialli von Martino ist aber Your Vice is a Closed Room and only I have the Key nicht unbedingt leicht zu konsumieren. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass sich Martino hier sehr auf die Charaktere und ihr zerrüttetes Seelenleben konzentriert und die Giallo-typischen Morde nur eine Erscheinung am Rande darstellen.

Irgendwie glaubt man zu spüren, dass sich Martino und Drehbuchautor Ernesto Gastaldi mit diesem Film von dem typischen Schema des Giallo-Kinos entfernen wollte, ohne aber das Genre komplett zu verlassen. Zwar sind die Morde durchaus blutig und von einer Hand in schwarzen Handschuhen vollführt, aber wer den typischen Bodycount mit detaillierten Todesszenen erwartet, dürfte nicht viel Freude an dem Film haben. Sergio Martinos Werk ist weitaus komplexer als z.B. Torso (I corpi presentano tracce di violenza carnale, 1973) oder der eher gradlinig verlaufende Der Killer von Wien (Lo strano vizio della Signora Wardh, 1971). Die Morde sind zwar der Zündstoff für Irenes Zweifel an ihrem Mann und ihre immer weiter steigende Paranoia, aber eben doch nur ein kleines Handlungselement, um die Geschichte an gewissen Punkten voranzubringen.

Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - ScreenshotYour Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - Screenshot

Oliviero ist ein Mann, der mal als Professor an einer Uni lehrte, erfolgreich Bücher schrieb, aber sehr an seiner Mutter hing und seit ihrem Tod und der Heirat mit Irene keinen vernünftigen Satz mehr aufs Papier gebracht hat. Seine Zeit vertreibt er sich mit Alkohol und ausschweifenden Parties, wo mehr die jungen Hippies der Umgebung ihren Spaß haben als er oder Irene. Die Beziehung zu ihr ist nicht mehr von Liebe geprägt, sondern von einer seltsamen Kombination von Verachtung, Hass und Begehren. Ähnlich wie Edwige Fenechs Charakter in Der Killer von Wien in ihrer Vergangenheit eine sadomasochistische Beziehung zu ihrem damaligen Liebhaber führte, ist für Oliviero seine Frau nur dann begehrenswert, wenn er deutlich seine Macht zeigen kann. Dazu gehört auch körperliche Gewalt. Irene leidet darunter sehr, hat aber auch niemanden dem sie sich anvertrauen könnte, noch kann sie Oliviero verlassen.

Dies scheint sich mit dem Erscheinen von Floriana zu ändern, die die scheinbar einzige Freundin von Irene wird. Aber Floriana bleibt es auch nicht verborgen, dass Oliviero seine Nichte nicht als Verwandschaft betrachtet, sondern als begehrenswerte hübsche Frau. Die Handlung bekommt noch so einige Drehungen und Wendungen und dabei geht es immer wieder um die Frage, ob Oliviero wirklich der Mörder ist oder Irene langsam in einen persönlichen Wahnsinn abdriftet und sich Olivieros Beteiligung an den Taten nur einbildet. Ihre Panik wird noch dadurch unterstützt, dass Olivieros schwarze Katze namens "Satan" ihr feindlich gesonnen ist und sie sogar angreift.

Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - ScreenshotYour Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - Screenshot

Und hier kommt der Einfluss durch Edgar Allan Poe ins Spiel. Wer seine Geschichte kennt, der dürfte sich den Ablauf der Handlung im Film ungefähr vorstellen können, aber bis auf die Katze und ein paar bekannte Elemente wurde von Poe nicht sehr viel übernommen. Seine Kurzgeschichte dient eher als Inspiration denn als wirkliche Vorlage und wurde mit allerhand anderer Komponenten angereichert. Neben den Morden und dem Psychoterror kommt noch ein guter Schuß Sex hinzu. Bei Olivieros Party tanzt eine junge Frau beim gemeinsamen Singen nackt auf den Tisch, Floriana ist beiden Geschlechtern zugetan (und Irene somit auch) und das dunkelhäutige Hausmädchen stirbt natürlich auch im halbnackten Zustand. Sex ist hier eine treibende Kraft, sei es zum persönlichen Vergnügen, Unterstreichung der eigenen Macht über einen anderen, ein Zeichen der Dekadenz oder kontrollierte Verführungen zum eigenen Vorteil. Dabei sind die Sexszenen nicht mal unbedingt billig inszeniert. Gerade die Liebesszene zwischen Irene und Floriana deutet durch Überblendungen und dezente Kameraeinstellungen mehr an als man wirklich sieht.

Der Film lebt dabei nicht unbedingt durch die Spannung, die seine Mordelemente hevorrufen. Die bewegen sich eher auf bekanntem Terrain und dürften hinlänglich bekannt sein. Zudem kann man in den Mordszenen deutlich erkennen, dass z.B. das Mordinstrument in einen künstlichen Körper fährt, die Tötungsdelikte standen also sowohl in der Handlung als auch in der produktionstechnischen Umsetzung nicht unbedingt im Mittelpunkt. Vielmehr fragt man sich, was wohl als nächstes mit Irene passieren wird, die mit jedem weiteren Ereignis immer mehr zu zerbrechen scheint. Dabei sind die Thrillermomente durchaus solide inszeniert. Wenn sich eine Bedrohung aufbaut, schnitt Martino ein paar Frames eines anderen Elements dazwischen, das mit dem anschließenden Todesfall unmittelbar zu tun hat. So werden z.B. für Bruchteile immer wieder die bedrohlichen Augen der Katze sichtbar, als das Hausmädchen in der Villa die Ursache für ein verdächtiges Geräusch sucht.

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Dabei macht es das Drehbuch dem Zuschauer nicht unbedingt einfach, sich eine Person herauszusuchen, mit der man sich identifizieren könnte oder mit der man in irgendeiner Form emotional folgen möchte. Alle Charaktere in dem Film wirken im Grunde genommen unsympathisch. Oliviero ist ein heruntergekommenes Wrack und ein Trinker und verhält sich seiner Frau gegenüber wie das letzte Arschloch. Irene wirkt durch Psychosen und den Attacken ihres Mannes psychisch labil und nervös und Floriana wandelt sich von einer begehrenswerten sympathischen Frau zu einem kleinen Luder, das bei der Wahl ihrer Liebhaber nicht gerade wählerisch ist.

Trotz der teilweise vorhandenen Komplexität der Handlung ist aber doch der Film sehr ansprechend inszeniert. Mit Kameramann Giancarlo Ferrando gelangen Sergio Martino einige wirklich gelungene Szenen. Die große, aber schon heruntergekommene Villa in der das Ehepaar Rouvigny lebt, bietet viele dunkle Ecken und im Halbschatten liegende Räume. Und es versteht sich wohl von selbst, dass gerade die weiblichen Darstellerinnen vorteilhaft in Szene gesetzt wurden. Edwige Fenech als auch Anita Strindberg sind eine Augenweide. Zudem war es für Edwige Fenech die erste "böse" Rolle, zuvor spielte sie meist eher harmlose Rollen oder die des Opfers. Für die Musik sorgte Bruno Nicolai.

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Your Vice is a Closed Room and only I have the Key ist also nur bedingt ein Giallo und gehört sicherlich zu den komplexesten, aber dadurch auch interessantesten Filmen Martinos. Wer einen handelsüblichen Giallo erwartet, der dürfte sich bei dem Film eher langweilen. Denn obwohl alle Elemente dieses Genres vorhanden sind, nimmt der Film den Zuschauer mit auf eine Reise in menschliche Abgründe und verbindet dies durch den Einfluss Edgar Allan Poes noch mit klassischem britischen Gothichorror. Ein Film, den man vielleicht nicht so leicht aufnehmen kann wie andere Martinos, aber sich gerade dadurch etwas von seinen anderen Werken aus den 1970er Jahren abhebt. Vielleicht ein Grund dafür, dass der Film damals in Italien bei weitem nicht so erfolgreich war wie die anderen Gialli von Sergio Martino.

Da zu Sergio Martino und Edwige Fenech bereits im Review zu Der Killer von Wien einiges erzählt wurde, kommen wir gleich zu Anita Strindberg. Die kam zwar im Laufe ihrer Karriere auf nicht mal zwei Dutzend Filme, darunter aber Werke wie Lucio Fulcis A Lizard in a Woman's Skin (Una Lucertola con la pelle di donna, 1971), Sergio Martinos Der Schwanz des Skorpions (La Coda dello scorpione, 1971), der Frauenknastfilm Mädchen im Knast (Diario segreto da un carcere femminile, 1973) oder Alberto De Martinos Exorzistenschocker Schwarze Messe der Dämonen (L' Anticristo, 1974). Luigi Pistilli hingegen sah man schon in Für ein paar Dollars mehr (Per qualche dollaro in più, 1965), Zwei glorreiche Halunken (Il Buono, il brutto, il cattivo, 1966), Leichen pflastern seinen Weg (Il Grande silenzio, 1969) oder Mario Bavas Im Blutrausch des Satans (Reazione a catena, 1971). Die hier nur als nackte Tänzerin auftretende Dalila Di Lazzaro war im übrigen das von Udo Kier erschaffene künstliche Monster in Flesh for Frankenstein (1973).

Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - ScreenshotYour Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key - Screenshot

Dieser Giallo mit dem unglaublich langen Namen ist von den Italo-Spezialisten NoShame Films in den USA auf DVD herausgekommen. Die Bildqualität ist wieder einmal sehr gut und auch am Ton gibt es außer einem leichten Rauschen bei der englischen Tonspur nicht viel zu bemängeln. Die englischen Untertitel orientieren sich aber an dem italienischen Originalton. Das Bonusmaterial ist erwartungsgemäß nicht sehr umfangreich, bietet aber mit der 23-minütigen Featurette "Unveiling the Vice" interessantes Hintergrundmaterial in Form von Interviews mit Sergio Martino, Edwige Fenech und Drehbuchautor Ernesto Gastaldi. Zum Thema kommen unter anderem die Dreharbeiten zum Film und wie sich das Filme drehen damals und heute unterscheidet. Im Booklet befinden sich noch Liner Notes sowie Bio- und Filmographien zu Sergio Martino und den Hauptdarstellern.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 15.02.2006
Letzte Textänderung: 08.03.2006

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